Wurzeln der SySt

 

Die Systemischen Strukturaufstellungen werden oft fälschlicherweise als eine Variante der wesentlich bekannteren Familienaufstellungen nach Bert Hellinger angesehen. Strukturaufstellungen unterscheiden sich von Familienaufstellungen jedoch in grundsätzlichen Punkten, die diese beiden Vorgehensweisen als verschiedene Wege und als miteinander unvereinbar zeigen.

 

Die Systemischen Strukturaufstellungen übernahmen:

 

von Steve de Shazer & Insoo Kim Berg die ressourcenorientierte und lösungsfokussierte Vorgehensweise, beispielsweise das Denken in Auswirkungen statt in Ursachen; die Fokussierung auf Unterschiede statt auf Inhalte ("wir können verstehen, was besser heißt, ohne zu wissen, was gut heißt."); daß Lösungen sozusagen die Ausnahmen vom Problem sind und umgekehrt; die Stärkung der Selbstwirksamkeit und der Eigenverantwortung des Klienten; der Verzicht des Therapeuten, ein tieferes Wissen über die Wirklichkeit des Klienten zu haben; Enttäuschung als Hinweis auf unerfüllte Erwartungen; die innere Haltung des Therapeuten "expecting - not expecting it",
 
von Virginia Satir, Ansätze aus der Rekonstruktions- und Skulpturarbeit; deren Haltung und Menschenbild; viele ihrer Arbeitshypothesen (zum Beispiel: "Some people think, therapy must be hard and heavy, well, but not with me." oder "I’m here, to make the implicit explicit, and the covert overt."); ihren wertschätzenden Umgang mit den Klienten; ihren Verzicht auf eine Machtposition und auf provokative Techniken; ihre Einstellung, daß alle Menschen letztendlich etwas Gutes wollen,
 
von George Spencer-Brown, Gregory Bateson u. a. das systemische Grundprinzip der Kontextbezogenheit,
 
von Ludwig Wittgenstein den Hinweis, daß Lösungen nicht kausal aus dem Problem heraus konstruiert werden können und daß Lösungen auch nicht die Negation des Problems sind, sondern sich im Verschwinden des Problems zeigen, aufblitzen, auftauchen; die Bildtheorie sowie die Bildtheorie des Satzes des Tractatus,
 
von der Erickson'schen Hypnotherapie den Sprachgebrauch innerhalb von Aufstellungen, beispielsweise absichtlich mehrdeutige Formulierungen; Milton H. Ericksons Definition des Unbewußten; seine Grundannahme, daß das Unbewußte schneller und effizienter sei, als das Bewußte, weshalb es grundsätzlich sinnvoll sei, was verdeckt bearbeitet werden kann, auch verdeckt zu bearbeiten; das Primat der Prozeßarbeit, daß es wichtiger ist, daß ein Prozeß stattfindet, als daß man weiß, zwischen wem er stattfindet,
 
von Ivan Boszormenyi-Nagy - mit Wurzeln bei Martin Buber - die Ausgleichsprinzipien von Geben und Nehmen; das Prinzip der Allparteilichkeit; die Idee generationsübergreifender Muster; die ökonomische Verwendung des ethischen Begriffs Schuld als Schulden, als ausgleichsverpflichtet, nicht als schuldig; im Sinne von Heinz von Foersters ethischem Imperativ geht es bei Strukturaufstellungen um die Vermehrung von Handlungsoptionen, nicht um Deutungen,
 
von Bert Hellinger die Praxis, die Rollenspieler des Psychodramas durch Repräsentanten zu ersetzen - mit Wurzeln bei Thea Schönfelder; die Berücksichtigung von Zugehörigkeit, Reihenfolge und Einsatz bei Systemmitgliedern sowie das Prinzip der intersystemischen inversen Reihenfolge (als heuristische, kurative Prinzipien) - mit Wurzeln bei Ivan Boszormenyi-Nagy; in (stark) modifizierter Form, Rituale zur Aufhebung von Kontextüberlagerungen,
 
u.v.m..

 

In der Welt, ist alles wie es ist, und geschieht alles, wie es geschieht. Es ist unmöglich, ohne Bewertung, ein Problem und eine Lösung, zu haben. Die Systemischen Strukturaufstellungen teilen diese Auffassung und orientieren sich an der subjektiven Wirklichkeit des Klienten, und auch an der Fragestellung des Klienten. Bert Hellinger lehnt diesen Respekt vor dem Klienten grundsätzlich ab. Die nachfolgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen SySt und Hellingers Familienstellen: